Dafür
In meiner Praxis begegne ich häufig Haustieren, denen es gesundheitlich sehr schlecht geht. Oft liegt es daran, dass die Besitzer zu wenig über ihr Tier wissen. Vielen ist nicht klar, was artgerechte Haltung und Fütterung überhaupt bedeuten: Wie viel und wie häufig sollte mein Kaninchen, Hamster oder Meerschweinchen fressen? Ist es tag- oder nachtaktiv, ein Gruppen- oder ein Einzelgänger? Unwissen führt dazu, dass viele Tiere falsch gehalten werden.
Für Kinder ist ein Hamster etwa ungeeignet, weil er aktiv wird, wenn das Kind schlafen geht. Andere Tiere leben zum Beispiel in zu kleinen Gehegen, die im Internet bestellt wurden. Auf der Website steht zwar ganz klein, dass die Käfige nur für kurzfristigen Aufenthalt geeignet sind, aber das übersehen viele Käufer.
Auch bei größeren Haustieren wie Hunden gibt es Probleme: Sie bekommen zu viel oder falsches Futter. Sie haben zu wenig Auslauf und Bewegungsmöglichkeiten. Manche Hunde werden ausgestattet wie eine Puppe. Auf Social Media sieht man Fotos von Welpen mit Kleidung, Kappen oder Brillen. Die Outfits sollen wohl süß wirken, sind für Hunde jedoch nicht angenehm.
Die meisten Menschen sind nicht bösartig und wollen das Beste für ihr Tier. Sie sind jedoch einfach nicht gut genug informiert. Heute kann jeder Erwachsene ein Tier kaufen, oft spontan und ohne Vorbereitung. Ein verpflichtender Tierführerschein würde helfen, sich vorher mehr Gedanken über den Alltag zu machen.
Ich stelle mir einen Test vor: Wer plant, ein Tier zu kaufen, muss etwa Multiple-Choice-Fragen zur passenden Fütterung, Haltung und Art seines Wunschtiers beantworten. Wer die Aufgaben richtig löst, bekommt ein Zertifikat, das er ausdrucken kann. Diesen Schein könnte man beim Züchter oder im Handel vorlegen. Nur mit diesem Nachweis bekäme man dann seinen Vogel oder seinen Welpen. Natürlich würde das etwas mehr Aufwand bedeuten, aber den Tieren würde es dadurch viel besser gehen.
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Die große Mehrheit der Menschen geht sorgfältig mit ihren Haustieren um. Natürlich gibt es immer Ausnahmen, aber die meisten kümmern sich gut, füttern passend und achten auf das Wohlergehen.
Die Haltung von klassischen Haus- und Heimtieren wie Kaninchen oder Meerschweinchen ist vergleichsweise einfach. Man kann recherchieren und lernen, welche Bedürfnisse sie haben. Das bekommen auch ältere Kinder gut hin und lernen dabei, Verantwortung zu übernehmen.
Einen verpflichtenden Tierführerschein halte ich für schwer umsetzbar. Wer soll solche Kurse anbieten und am Ende die Ergebnisse kontrollieren? Für verpflichtende Kurse, Prüfungen und Kontrollen fehlen bei Veterinär- und Ordnungsbehörden das Personal und das Geld. Am Ende entsteht viel Bürokratie. Ein solcher Schein würde vor allem hohe Kosten erzeugen – nicht nur für die Behörden, sondern auch für die Halterinnen und Halter. Ich halte es für falsch, Menschen mit wenig Geld dadurch die Haltung eines Haustiers zu erschweren.
Statt auf einen verpflichtenden Test setze ich auf mehr Bildung. Kinder interessieren sich schon ganz früh für Tiere, das sollte man nutzen. Das könnte bereits im Kindergarten und in der Schule beginnen. In einfachen praktischen Einheiten kann man zeigen, was Tiere brauchen: gutes Futter, passende Haltung, Ruhe, Beschäftigung und klare Grenzen im Umgang. Ich stelle mir das so ähnlich vor, wie es bei der Schulgartenarbeit heute schon oft gemacht wird – Lernstunden, in denen man sich den Umgang durch Kümmern, Sauberhalten und Füttern ganz praktisch aneignet.
Ich sehe noch einen Nachteil eines verpflichtenden Tierführerscheins: Man kann nur sehr aufwendig überwachen, ob das im Test Abgefragte zu Hause eingehalten wird. Was passiert, wenn sich herausstellt, dass jemand das nicht macht? Muss die Person ihren Hund oder ihren Hamster dann wieder abgeben? Die Tierheime sind ja vielerorts jetzt schon überfüllt.
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