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Wann die Arbeit beginnt

Der doppelte Espresso steht bereit, der Firmenlaptop ist aufgeklappt, kann losgehen: Wer (wie ich) meist an einer Tastatur und im Homeoffice arbeitet, weiß auf die Minute genau, wann sein Arbeitstag beginnt und wann er beendet ist. Wesentlich komplizierter ist die Definition der Arbeitszeit allerdings bei Menschen, die beruflich viel unterwegs sind, etwa als Außendienstler: Beginnt die Arbeitszeit erst in der Minute der Ankunft beim ersten Kunden? Und wie ist es, wenn man sich für die Arbeit umziehen muss: Ist die Zeit am Spind Arbeitszeit? Freizeit ist sie ja wohl kaum. Freizeit wäre es doch aber, wenn ich auf der Heimfahrt von einer Dienstreise im ICE einen Roman lese, oder?

Im Bordbistro: Fachgespräch oder Freizeit?

Foto: DB /Bernhard Huber

Mein Kollege Florian Gontek hat sich mit solchen Fällen beschäftigt und erklärt in seinem erhellenden Text die Grenzfälle des Erwerbslebens: Nach deutschem Recht gibt es nicht nur eine, sondern sogar drei nebeneinander gültige Definitionen von Arbeitszeit. Und er beschreibt die Folgen eines aktuellen Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), der sich mit dem Fall einer Gruppe von Angestellten eines spanischen Umweltunternehmens beschäftigt hat. Die fuhren werktags von einem festen Sammelpunkt mit dem Dienstfahrzeug zu wechselnden Einsatzorten – und abends zurück. Der EuGH entschied: Auch die Rückfahrt ist Arbeitszeit, weil die Beschäftigten in dieser Zeit nicht frei über sich verfügen können.

Bisher galt vor deutschen Arbeitsgerichten meist die sogenannte Belastungstheorie, nach der es darauf ankam, wie anstrengend für Angestellte so eine Rückreise vom Einsatzort ist. Selbst am Steuer sitzen: belastend. Krimipodcast im Zugabteil hören: nicht belastend. Diese Sichtweise, berichtet Florian, ist nach dem EuGH-Urteil nicht mehr haltbar.

Wer ist schuldig am Tod der Familie Böcek?

Der traurige Fall der Hamburger Familie Böcek ist im Herbst vergangenen Jahres vielen Menschen zu Herzen gegangen. Das junge Ehepaar Servet und Çiğdem war mit seinen kleinen Kindern Masal und Kadir für einen Städtetrip nach Istanbul gereist, dort unter zunächst mysteriösen Umständen krank geworden und nach wenigen Tagen qualvoll gestorben. Nachdem die Behörden zunächst von einer Lebensmittelvergiftung ausgingen und deshalb unhygienisch arbeitende Gastronomen unter Verdacht gerieten, stellte sich als wahre Todesursache die Vergiftung mit einem Pestizid heraus. Die Hotelleitung hatte ein unter dem der Böceks liegendes Zimmer mit Gift behandeln lassen, weil es von Bettwanzen befallen war. Anderthalb Stunden hatte ein Mitarbeiter dort ein Pestizid versprüht, es wanderte ein Stockwerk höher und tötete schließlich die ganze Familie.

Hotel Harbour Suites Old City in Istanbul: Ahnungslos ausgeliefert

Foto: Emrah Gurel / AP

Die Geschichte der Familie Böcek  berührt auch deshalb, weil den vier Menschen etwas zugestoßen ist, was jedem passieren könnte, der sich auf Reisen und in ein Hotel begibt: Diese vier Menschen waren der Achtlosigkeit und Inkompetenz des Hotelmanagements und des Kammerjägers ahnungslos ausgeliefert. Sie hatten keine Chance.

Heute beginnt in Istanbul der Prozess gegen die mutmaßlichen Verantwortlichen. Vor Gericht stehen sechs Personen, darunter Verantwortliche der Schädlingsbekämpfungsfirma, der Hotelmanager und ein Hotelangestellter. Gefordert werden Haftstrafen von bis zu 22,5 Jahren.

Und ewig stirbt der Wal

Krieg im Nahen Osten, Krieg in der Ukraine, Krieg im Sudan? Viel wichtiger scheint vielen Menschen dieser Tage das Schicksal eines gestrandeten Wals vor der Ostseeinsel Poel zu sein. Auch wenn ich dem Tier alles Gute wünsche (und gerade scheint mir ein schnelles Ableben der gnädigste Ausgang zu sein), halte ich persönlich die große Aufregung und ausufernde Berichterstattung über ein einzelnes, sich seinem natürlichen Tod näherndes Lebewesen für einigermaßen befremdlich.

Buckelwal vor der Insel Poel: Wem ist geholfen?

Foto: Jens Büttner / dpa

Der lange Abschied von diesem Wal hat aber durchaus auch erhellende Seiten. Das Drama hat etwa Till Backhaus (SPD) ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit gerückt, den Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern. Seine emotionalen Auftritte bei Pressekonferenzen  sind (jedenfalls für eher walferne Beobachter wie mich) an Skurrilität kaum zu überbieten. »Backhaus will die Nacht auf einem Boot nahe Timmy verbringen«, meldete gestern Abend einer der zahlreichen Wal-Liveticker, und es mag herzlos klingen, aber ich kann nicht anders, als mich zu fragen: Warum? Wem ist damit geholfen?  Doch sicher nicht dem Wal.

Das Beste an der unendlichen Geschichte um das verendende Großtier ist allerdings die glückliche Fügung, meine Kollegin Sylvie Gühmann vor Ort zu wissen, die uns so unermüdlich wie unnachahmlich über die Geschehnisse auf dem Laufenden hält. Zuletzt hat sie sich in der Inselkirche umgetan und mit Einheimischen und angereisten Walfreunden gesprochen. Nach der Lektüre ihrer poetischen Reportage ist klar: Gestrandet ist hier nicht nur ein Wal.

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Gewinner des Tages…

John Ternus

Foto: Apple Inc. Handout / EPA

…ist John Ternus. Der Maschinenbauingenieur wird neuer Chef des Computerkonzerns Apple und folgt damit auf den bisherigen CEO Tim Cook. Cook wechselt an die Spitze des Aufsichtsrats. Über seinen Nachfolger sagte Cook, dieser verfüge »über den Verstand eines Ingenieurs, die Seele eines Innovators und das Herz, mit Integrität und Ehre zu führen«.

Ternus ist bereits seit 25 Jahren bei Apple tätig und leitete bisher die Teams, die für Produkte wie iPhone, iPad, Mac und Apple Watch zuständig sind.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • US-Arbeitsministerin verlässt Trump-Regierung – als dritte Frau in sieben Wochen: Ihr wird Machtmissbrauch und die Schaffung eines »feindlichen Arbeitsumfelds« vorgeworfen: Jetzt tritt US-Arbeitsministerin Chavez-DeRemer zurück. Sie soll bereits einen neuen Job haben.

  • Japan lockert Regeln für Waffenexporte: Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Japan einen pazifistischen Kurs eingeschlagen. Davon rückt das Land weiter ab: Künftig ist es erlaubt, auch als »tödliche Waffen« eingestufte Rüstungsgüter in ausgewählte Länder zu verkaufen.

  • US-Rapper D4vd offiziell wegen Mordes angeklagt: Dem Sänger D4vd wird in den USA vorgeworfen, eine 14-Jährige getötet und zerstückelt zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat nun in drei Punkten Anklage erhoben. Der Musiker weist die Anschuldigungen zurück.

Heute bei SPIEGEL Extra: »Aus einem lockeren Lauf kann schnell ein medizinischer Notfall werden« – was sportliche Allergiker jetzt wissen müssen

Foto: Westend61 / Getty Images

Der Frühling macht es Sportlern mit Allergien schwer. Ein Experte erklärt, welche Warnzeichen nicht ignoriert werden dürfen und warum das Timing für den Sport von entscheidender Bedeutung ist .

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihr Stefan Kuzmany, Autor der Chefredaktion