Nach Inkrafttreten der Waffenruhe: Zahlreiche Menschen bei ihrer Rückkehr in den Südlibanon

Foto: Houssam Shbaro / Anadolu Agency / IMAGO

Im Krieg mit dem Libanon hat die israelische Armee Vertriebene aus dem Süden des Landes vor einer Rückkehr in Dutzende Dörfer gewarnt. »Wir fordern Sie dringend dazu auf, sich nicht südlich der Verteidigungslinie aufzuhalten«, erklärte Armeesprecher Avichay Adraee am Montag im Onlinedienst X auf Arabisch. Die Armee veröffentlichte überdies eine Karte, die die »vordere Verteidigungslinie« zeigte.

Die Armee begründete ihren Aufruf mit mutmaßlichen Aktivitäten der Hisbollah in dem Gebiet. Die proiranische Miliz habe »ihre terroristischen Aktionen unter Verstoß gegen die Vereinbarung für eine Feuerpause fortgesetzt«, hieß es in der Erklärung weiter. Dementsprechend werde die israelische Armee weiter im Gebiet operieren, um die Infrastruktur der Hisbollah zu zerstören und »direkte Bedrohungen für die Gemeinden im Norden Israels abzuwehren«.

Waffenruhe seit Nacht zum Freitag in Kraft

Die von Iran unterstützte Hisbollah hatte Vertriebene am Wochenende ebenfalls vor einer Rückkehr in den Süden gewarnt. Dennoch hatten Tausende Menschen begonnen, in das Gebiet zurückzukehren. Auf einer wichtigen Küstenstraße bildeten sich lange Staus.

In der Nacht zum Freitag war eine zehntägige Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon in Kraft getreten. Dennoch gibt es immer wieder gegenseitige Angriffe. Israels Armee griff beispielsweise eigenen Angaben zufolge in der Nacht eine Raketenabschussrampe im Süden des Nachbarlandes an. Diese sei feuerbereit und eine »direkte Bedrohung für die Ortschaften in Nordisrael« sowie für Soldaten gewesen, teilte das israelische Militär am Morgen mit.

Israels Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, er habe die Armee angewiesen, weiterhin mit »voller Kraft« gegen alle Bedrohungen im Libanon vorzugehen. Er kündigte zudem an, Häuser zu zerstören, die mutmaßlich von der Hisbollah genutzt werden.

Mehr zum Thema

Der Libanon kündigte seinerseits an, künftige bilaterale Verhandlungen mit Israel ausschließlich über eine Delegation unter dem ehemaligen Botschafter in Washington, Simon Karam, zu führen. Keine andere Partei werde an dem Prozess beteiligt oder den Libanon vertreten, betonte Präsident Aoun in der Hauptstadt Beirut. Die Gespräche auf Botschafterebene könnten nach israelischen Medienberichten am Donnerstag in Washington fortgesetzt werden. Dies berichteten das israelische Nachrichtenportal »ynet« und die »Jerusalem Post«. Offiziell gab es zunächst keine Bestätigung dafür.

Israelischer Soldat zerstört Kruzifix – Netanyahu kündigt »harte Maßnahmen« an

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu kündigte unterdessen »harte Maßnahmen« gegen einen Soldaten an, der ein Kruzifix im Süden des Libanon niedergerissen hat. »Ich war fassungslos und traurig, als ich erfuhr, dass ein israelischer Soldat eine katholische Ikone im Südlibanon beschädigt hat«, schrieb Netanyahu im Onlinedienst X. »Militärermittler nehmen eine strafrechtliche Untersuchung vor und werden dementsprechend harte Maßnahmen gegen den Täter ergreifen«, fügte Netanyahu hinzu.

Ein Bild der Zerstörungsaktion hatte im Internet für Wut und Entsetzen gesorgt. Das Foto zeigt einen israelischen Soldaten, der mit einem großen Hammer auf den Kopf einer Jesus-Figur einschlägt, die offenbar schon zuvor vom Kreuz gerissen worden war. Das Kruzifix befand sich im früher vorwiegend von Christen bewohnten Dorf Debl, das in unmittelbarer Nähe zur israelischen Grenze liegt, wie Gemeindevertreter der Nachrichtenagentur AFP bestätigten. Sie konnten allerdings nicht sagen, wie stark das Kruzifix beschädigt wurde.

Nach Angaben eines libanesischen Politikers haben israelische Streitkräfte seit der Waffenruhe in der vergangenen Woche in 39 Dörfern im Südlibanon Zerstörungen unterschiedlichen Ausmaßes angerichtet. Ali Hassan Khalil, ein hochrangiger Berater von Parlamentspräsident Nabih Berri und ehemaliger Finanzminister, sagte, die israelischen Truppen hätten zivile Wohnhäuser gesprengt. Dies ​sei ein Kriegsverbrechen. Das israelische Militär erklärte, es gehe gegen die Infrastruktur der Hisbollah im Süden vor.

col/sol/AFP/Reuters