Blick von der USS »Spruance«, der den Frachter »Touska« zeigen soll (Aufnahme der US-Streitkräfte, veröffentlicht am 19. April)

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CENTCOM / REUTERS

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Die Lage im Nahen Osten hat sich am Sonntagabend und in der Nacht auf Montag noch einmal verschärft. Eigentlich waren baldige Verhandlungen zwischen den USA und Iran angesetzt. Stattdessen kam es zu einer weiteren Eskalation. Nach dem Beschuss eines iranischen Frachtschiffs im Golf von Oman durch die US-Marine hat die iranische Armee Vergeltung angekündigt.

»Die Streitkräfte der Islamischen Republik Iran werden bald zurückschlagen und Vergeltungsmaßnahmen gegen diesen Akt bewaffneter Piraterie und gegen die amerikanische Armee ergreifen«, erklärte der Sprecher des iranischen Generalstabs am Montag im Onlinedienst Telegram. Er warf den USA vor, den bis Mittwoch laufenden Waffenstillstand verletzt zu haben.

US-Präsident Donald Trump hatte am Sonntag in seinem Onlinedienst Truth Social mitgeteilt, dass die US-Marine den Frachter »Touska« beschossen und das Schiff unter ihre Kontrolle gebracht habe. Das Schiff fährt unter iranischer Flagge und ist mit US-Sanktionen belegt. Aktuell werde geprüft, was sich an Bord befindet, so Trump.

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Die Besatzung habe Warnsignale ignoriert, woraufhin das US-Kriegsschiff USS »Spruance« auf das Schiff gefeuert und »ein Loch in den Maschinenraum gesprengt« habe. Wie das US-Regionalkommando Centcom mitteilte, war das Schiff auf dem Weg in die iranische Küstenstadt Bandar-e Abbas in der Straße von Hormus (mehr zu dem Vorfall hier).

Zuvor hatte der US-Präsident Teheran bereits vorgeworfen, den seit dem 8. April geltenden, zweiwöchigen Waffenstillstand verletzt zu haben, indem es am Samstag Angriffe in der Straße von Hormus gestartet habe. Seinen Angaben zufolge richteten sie sich gegen ein französisches und ein britisches Schiff.

Die Lage rund um die Straße von Hormus ist weiterhin äußerst angespannt. Iran hatte am Samstag seine Öffnung der Meerenge nach nur einem Tag wieder rückgängig gemacht. Die iranische Armeeführung begründete dies mit der anhaltenden US-Blockade iranischer Häfen.

Iranisches Waffensystem an der Straße von Hormus (Foto aus 2025)

Foto: Sepahnews / ZUMA Press Wire / dpa

Durch die Straße von Hormus verläuft normalerweise ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggaslieferungen. Nach Beginn der US-israelischen Angriffe auf Iran Ende Februar hatte Teheran die Meerenge weitestgehend für die internationale Schifffahrt gesperrt. Die Blockade hat weltweit die Preise für Öl und Flüssiggas in die Höhe getrieben.

Ölpreise steigen deutlich

Vor dem Hintergrund der neuen Spannungen zwischen den USA und Iran kostet Rohöl wieder deutlich mehr. Die Nordseesorte Brent mit Lieferung im Juni ging mit einem Kurs von knapp 97 US-Dollar in die Handelswoche und war damit über sieben Prozent teurer als noch in der vergangenen Woche. Auch die US-Sorte WTI legte ähnlich stark zu. Zu Beginn des Kriegs Ende Februar lag der Preis für Brent noch bei unter 70 Dollar.

Chancen auf Verhandlungen sinken

Iran hat eine geplante neue Runde von Friedensgesprächen mit den USA abgesagt (mehr dazu hier). Dies meldete ​die staatliche iranische Nachrichtenagentur Irna am Sonntag, wenige Stunden nachdem Trump die ‌Entsendung von Unterhändlern nach Pakistan angekündigt hatte. »Iran begründete sein Fernbleiben von der zweiten Gesprächsrunde mit den überzogenen Forderungen Washingtons, unrealistischen Erwartungen, ständigen Kurswechseln, widersprüchlichen Aussagen und der anhaltenden Seeblockade, die er als Bruch des Waffenstillstands betrachtet«, meldete ​Irna. Diese Aussagen fielen, bevor der Beschuss des iranischen Tankers durch die USA bekannt wurde.

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Laut Weißem Haus sind Vizepräsident JD Vance und die Unterhändler Steve Witkoff und Jared Kushner für die neuen Verhandlungen in Pakistan nominiert. Ob sie wirklich anreisen, ist derzeit noch offen. Eine erste Runde in Islamabad war zuletzt nach 21 Stunden ohne Ergebnis zu Ende gegangen.

Trump hatte mit einem Angriff auf Iran gedroht, sollte die Regierung ⁠in Teheran ⁠seine Bedingungen nicht akzeptieren. Die US-Delegation sollte eigentlich am Montagabend in der pakistanischen Hauptstadt eintreffen, einen Tag vor Ablauf einer zweiwöchigen Feuerpause. ‌Pakistan fungiert in dem Konflikt als zentraler Vermittler. ​Der pakistanische ‌Ministerpräsident Shehbaz Sharif telefonierte am Sonntag mit dem iranischen Präsidenten Masoud Pezeshkian. In einer pakistanischen Mitteilung zu dem Gespräch blieb die Absage der Verhandlungen unerwähnt.

Der Irankrieg geht mittlerweile in die ‌achte Woche. Tausende Menschen wurden seit dem 28. Februar bei US-israelischen Angriffen auf Iran sowie bei einer gleichzeitigen israelischen Offensive ‌im Libanon getötet. Iran ​reagierte darauf mit Raketen- ‌und Drohnenschlägen auf arabische Nachbarstaaten, in denen sich ‌US-Stützpunkte ​befinden.

Benzinpreis ist für Trump ein politisches Problem

Die Benzinpreise in den USA könnten der Regierung zufolge bis ins nächste Jahr über der Marke von drei Dollar je Gallone (etwa 0,67 Euro pro Liter) bleiben. Energieminister Chris Wright sagt dem Sender CNN allerdings, dass sie ​vermutlich ihren Höhepunkt erreicht hätten. Der Durchschnittspreis für eine Gallone Normalbenzin lag Schätzungen des US-Automobilclubs AAA zufolge am Sonntag bei 4,05 Dollar, gegenüber 3,16 Dollar vor einem Jahr. In den USA gilt der Benzinpreis als psychologisch wichtiger Gradmesser für die Teuerung.

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Im ‌November finden Kongresswahlen statt. Dabei droht der republikanischen Partei von Donald Trump eine empfindliche Niederlage. Das gilt besonders, wenn sich die Lebenshaltungskosten als Folge von Trumps Irankrieg noch weiter erhöhen sollten. Trump selbst steht im Herbst zwar nicht zur Wahl. Allerdings könnte seine Partei die Kontrolle im Kongress verlieren, was Trump eine weitere Umsetzung seiner Agenda massiv erschweren würde.

Während die ganze Welt auf die Straße von Hormus blickt, leiden die Menschen in Iran weiter unter dem Regime. Lesen Sie hier mehr über die aktuelle Situation im Land. 

jok/AFP