Babykost des Herstellers Hipp (Symbolbild): Verunreinigungen in fünf Gläsern
Foto: Tobias Steinmaurer / APA / dpaFünf mit Rattengift verseuchte Gläschen des Babynahrungsmittelherstellers Hipp sind inzwischen entdeckt worden, in Österreich, Tschechien und der Slowakei. Dahinter stecken wohl Kriminelle: »Hipp ist Opfer einer Erpressung«, teilte das Unternehmen am Montag mit. In mindestens zwei Ländern laufen entsprechende Ermittlungen, in Deutschland und Österreich.
Hipp hat seinen Sitz in Pfaffenhofen an der Ilm, zwischen München und Ingolstadt gelegen. In Deutschland ist daher die Kriminalpolizei Ingolstadt unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft Ingolstadt zuständig, dort wurde eine eigene Ermittlungsgruppe »Glas« gegründet. Einen konkreten Tatverdächtigen gibt es offenbar bislang nicht, die Ermittlungen laufen gegen Unbekannt.
»In Deutschland wurden keine mit Gift verunreinigten Gläser festgestellt«, so heißt es in einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Die fünf mit Rattengift versetzten Gläser waren allesamt vor dem Verzehr sichergestellt worden. Ein weiteres Glas könnte noch in Österreich im Umlauf sein, es wird derzeit gesucht.
Rattengift im Labor nachgewiesen
Die polizeilichen Maßnahmen im In- und Ausland waren eingeleitet worden, nachdem am vergangenen Donnerstag eine E-Mail der mutmaßlichen Täter eingegangen war. Weitere Informationen zu den Ermittlungen gab die Polizei in Ingolstadt auf Anfrage nicht bekannt. Sie ruft aber vorsorglich dazu auf, bei Auffälligkeiten an Babykostgläschen die jeweils örtliche Polizei zu verständigen.
Zu achten sei besonders auf das typische Knack-Geräusch beim Öffnen eines Gläschens. Bleibt das Geräusch aus, könnte das Glas beschädigt oder manipuliert sein. Zudem solle man auf den Geruch des Inhalts achten. Die Täter hatten an den manipulierten Gläsern am Boden zudem einen weißen Aufkleber mit einer roten Kreismarkierung angebracht.
Auf seiner Internetseite hat Hipp Informationen zu dem Fall zusammengetragen und betont: »Der Vorfall steht in keinem Zusammenhang mit der Qualität oder Herstellung von Hipp-Produkten. Unsere Produktions‑, Qualitäts‑ und Kontrollsysteme sind uneingeschränkt intakt.«
Zur versuchten Erpressung teilte Hipp weiter mit: »Der Erpresser hat uns eine Nachricht an ein unpersonalisiertes Sammelpostfach geschickt, welches im Rahmen unserer Standardprozesse in größeren zeitlichen Abständen gesichtet wird. Unmittelbar nach Kenntnisnahme haben wir sofort die zuständige Polizei und Behörden informiert und einen internen Krisenstab eingerichtet.«
»Karotten mit Kartoffel«
Das manipulierte Glas in Österreich war in einem Supermarkt der Spar-Kette in Eisenstadt verkauft worden, der beschaulichen Hauptstadt des Burgenlandes. Das bestätigte eine Sprecherin des Supermarkt-Konzerns auf SPIEGEL-Anfrage.
Am Freitag hatte sich der Käufer des Glases der Sorte »Karotten mit Kartoffeln 190 Gramm« mit einem Verdacht gemeldet. Ein erster toxikologischer Test ergab, dass der Nahrung Rattengift beigemengt worden war, wie Petra Bauer, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Eisenstadt, dem SPIEGEL sagte. Demnach läuft eine zweite, noch eingehendere Untersuchung.
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Wer das Glas in dem Supermarkt deponiert hat, ist unklar. Auch in Österreich wird ermittelt: »Wir führen ein Verfahren gegen unbekannte Täter wegen des Verdachts auf vorsätzliche Gemeingefährdung«, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Den Tätern droht in Österreich eine Höchststrafe von zehn Jahren Gefängnis.
Die österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit hatte schon am Samstag von einem mutmaßlichen Erpressungsversuch geschrieben, den Hinweis aber später aus ihrer Pressemitteilung gestrichen.
Womöglich noch ein Glas im Umlauf
Niemand scheint bislang durch den Erpressungsversuch zu Schaden gekommen sein. Die österreichischen Behörden suchen nun Krankenhäuser, Pflegeheime und Kindergärten ab, um ein möglicherweise ebenfalls manipuliertes zweites Glas zu finden. Das bestätigte Helmut Marban, Sprecher der Landespolizeidirektion Burgenland, dem SPIEGEL. Demnach sensibilisieren die Behörden auch die Amtskollegen jenseits der Grenze: Viele Ungarn pendeln ins benachbarte Burgenland und kaufen dort ein.
Einerseits wollen die Ermittler verhindern, dass Babys oder Kleinkinder die vergiftete Nahrung essen. Andererseits hoffen sie, Täterspuren auf den Gläsern zu finden.
Die Spar-Gruppe hatte am Wochenende die fraglichen Hipp-Produkte vorsorglich aus den Regalen genommen, auch in den zur Gruppe gehörenden Geschäften in Norditalien, Ungarn und anderen Nachbarländern.
fri/odg