Sofia, Bulgarien 19.04.26
Er ist der neue – und alte – starke Mann Bulgariens: Ex-Präsident Rumen Radew. Sonntagabend: Gerade hat er die Parlamentswahlen erdrutschartig gewonnen – und reagiert entsprechend selbstbewusst:
Reporterin:
»Was für ein Signal wird Ihr Sieg senden, für die Beziehungen mit der EU und Russland?«
Rumen Radew, Ex-Präsident:
»Für wen arbeiten Sie?«
Reporterin:
»Internationale Medien, Associated Press.«
Rumen Radew, Ex-Präsident:
»Ah, Associated Press, ein respektiertes Medium. Danke, dass Sie hergekommen sind, wir begrüßen Ihre Anwesenheit. Sie sollten wissen, dass Bulgarien sich bemühen wird, seinen europäischen Weg fortzusetzen, aber glauben Sie mir: Ein starkes Bulgarien in einem starken Europa braucht kritisches Denken und Pragmatismus…«
Archiv 22.5.2018 Sotschi, Russland
Übersetzt bedeutet das wohl: gute Beziehungen zu Moskau. Radew ist bekannt als Kreml-Freund, in seinem Wahlkampf warb er damit, den freien Fluss von russischem Öl und Gas nach Europa wiederherzustellen. Und er warnte vor Waffenlieferungen an die Ukraine.
Moskau, 20.04.
Die ersten Glückwünsche zum neuen Amt kamen prompt aus Moskau:
Dmitrij Peskow, Kreml-Sprecher
»Natürlich gefallen uns die Äußerungen von Herrn Radew« - sagte der Sprecher zur neuen sogenannten Dialogbereitschaft mit dem Kreml.
Beobachter befürchten, dass Radew den Platz von Viktor Orban einnehmen wird als Blockierer innerhalb der EU – vor allem, was die Ukraine-Hilfe angeht.
Der Ex-General und frühere Kampfjet-Pilot war im Januar vom Amt des Staatspräsidenten zurückgetreten, um an der Parlamentswahl teilzunehmen. Dabei profitierte er vor allem von der tiefen Frustration über die politische Instabilität in Bulgarien. Den Wählerinnen und Wählern versprach er nun Stabilität – die Erwartungen bleiben verhalten.
Wähler:
»Es fällt mir schwer zu beurteilen, was man von ihm erwarten kann. In seinem Wahlprogramm und im Wahlkampf hat er nichts Konkretes genannt, was er vorhat und wie er regieren will. Und wie er gegen die Oligarchie angehen will – die er noch nicht einmal klar benannte.«
»Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich glauben soll, dass sich das Verhalten der politischen Klasse Bulgariens ändern wird, oder ob dies nur die neueste Täuschung ist.«
Mit seiner Allianz Progressives Bulgarien wird Radew vermutlich mit absoluter Mehrheit im Parlament regieren.
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